Wo die Zukunft der Legehennenhaltung hinführt
Fachgespräch Legehenne in Haselünne zu Herausforderungen und aktuellen Themen in der Legehennenhaltung

Dagmar Heyens, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, betonte in ihrer Begrüßung: „Die Tierhaltung steht vor Herausforderungen.“ Für viele Betriebe heiße die Losung „wachsen oder weichen“, wobei weichen oft bedeute, dass die Produktion ins Ausland abwandere.
Herausforderungen in der Legehennenhaltung
Welche konkreten Herausforderungen in der Legehennenhaltung kurzfristig bevorstehen, darauf gab Henner Schönecke, Legehennenhalter und stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) einen Ausblick. Beispielsweise das Logo Deutsche Herkunft, das landwirtschaftliche Produkte aus deutscher Herstellung kennzeichnet. Hier werden die Berechtigungskriterien künftig verschärft. Zudem gebe es derzeit eine Diskussion über das Fangen und Verladen der Tiere. In der Praxis werden die Hühner an den Ständern gefasst und dann verladen. Diese Praxis wird inzwischen vielerorts als nicht tiergerecht angesehen. Es habe bereits erste Ordnungsverfügungen gegeben. Weiters nannte Schönecke den Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT). Hier würden die Leitfäden immer länger. Nach Einschätzung Schöneckes könne KAT zwar am meisten Arbeit machen, habe aber auch den größten Nutzen für Legehennenhalter. Eine Entwicklung, die ebenfalls eine Herausforderung für die Branche bedeuten könnte, sei die Zunahme der Überwachungsaufgaben beim LAVES. Es wird die Antibiotikakontrolle von den Landkreisen übernehmen.
Frauke Deerberg vom Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau der Universität Kassel referierte zum Thema „Auslaufgestaltung und Nährstoffeinträge: Risiken und Potenziale“. Eine Auslaufgestaltung mit z.B. Hecken, Gehölzstreifen oder Unterständen kommt dem Tierwohl zugute und die Tiere nehmen den Auslauf besser an. Aber in der Freilandhaltung von Legehennen kommt es teils zu sehr hohen Nährstoffeinträgen, insbesondere in Stallnähe und in der Nähe beliebter Strukturelemente. Um dem entgegenzuwirken, sollten Unterflursicherungen eingesetzt und Unterstände und Mobilställe sehr regelmäßig versetzt werden. Organische Substrate können die Stickstoffeinträge in den Boden ebenfalls reduzieren. Hierfür müssen sie aber regelmäßig entnommen und erneuert werden. Als vielversprechend erwiesen sich im Projekt KLUFT Holzhackschnitzel sowie Pellets und Granulate aus Holz und Stroh. Substrate und Kot können dann als Dünger wieder zurück in den Nährstoffkreislauf gebracht werden.
Möglichkeiten für Agri-PV
Über die Möglichkeiten von Freiflächen- und Agri-PV-Anlagen im Legehennenauslauf informierten die LWK-Berater Helmut Wahl und Talke Heidkroß. Bei Freiflächenanlagen liegt der Fokus auf der Stromproduktion, bei Agri-PV-Anlagen steht nach DIN SPEC 91434 die landwirtschaftliche Nutzung im Vordergrund, die in einem landwirtschaftlichen Nutzungskonzept nachgewiesen werden muss. Die genannte DIN SPEC bezieht sich allerdings nur auf die pflanzliche Erzeugung. Eine recht neue DIN SPEC 91492 definiert Agri-PV im Zusammenhang mit Tierhaltung, so auch beispielsweise PV im Zusammenhang mit Legehennenhaltung. Da sie noch keinerlei rechtliche Bezüge hat, ist es mehr als fraglich, ob es sich bei PV-Anlagen im Legehennenauslauf überhaupt um Agri-PV handelt. In der Regel sind für Agri-PV und Freiflächen-PV Anlagen Bebauungsplanverfahren notwendig, seit 2023 ist eine Privilegierung von Agri-PV-Anlagen ohne aufwendiges Bebauungsplanverfahren möglich, sofern die Anlage maximal 2,5 Hektar groß ist.
Allerdings gibt es eine Vielzahl von Voraussetzungen und viele Unklarheiten für die Genehmigungsbehörden, die es noch zu klären gilt. Des Weiteren sollte wie bei allen Vorhaben die Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Betreiber von Erneuerbaren Energien-Anlagen haben bereits heute erhebliche Erlöseinbußen durch den § 51 EEG, also dem Entfallen des EEG-Vergütungsanspruchs bei negativen Strompreisen. Mit dem zunehmenden Ausbau von PV- und Windenergieanlagen könnten negative Strompreise in Zukunft häufiger vorkommen.
Wie der Legehennenstall der Zukunft aussehen könnte, zeigte Jule Schättler, Beraterin Geflügelhaltung bei der LWK, mit dem Gesamtbetrieblichen Haltungskonzept Legehennen. Kernpunkte des Stallkonzepts sind u.a. genügend Raum zwischen den Volieren als Scharrfläche, ausreichend Auf- und Abstiegshilfen, um die Gefahr von Brustbeinbrüchen zu reduzieren, ein befestigter und überdachter Bereich im Auslauf in Stallnähe, um dem Nährstoffeintrag entgegen zu wirken, Strukturierung des Auslaufs und der Einsatz von Luft-Wärme-Tauschern, die sowohl durch ihre Heiz- als auch Kühlmöglichkeit für ein optimales Stallklima über das ganze Jahr hinweg sorgen.
Wurmfrei mit Web-Anwendung
Mit Hilfe einer Web-Anwendung das Risiko von Wurminfektionen im eigenen Betrieb besser einschätzen zu können, ist das Ziel des EIP-Projekts WURM-Frei, das von Alina Kathrin Lückemann, LWK-Beraterin Geflügelhaltung, vorgestellt wurde. Die Endoparasiten verringern die Leistung infizierter Tiere, verzögern das Wachstum und können zum Tod der Hennen führen. Die Wurmeier werden mit dem Kot ausgeschieden und von anderen Tieren wieder aufgepickt. Betroffen sind vor allem Legehennen in Freilandhaltung oder ökologischer Haltung, da hier die Biosicherheitsmaßnahmen eingeschränkt sind. Das Projekt will den Status quo erfassen und sucht hierfür noch teilnehmende Betriebe.
Neue Methode für Nährstoffansatz
Um eine neue Methodik zur Bestimmung des Nährstoffansatzes bei Junghennen ging es bei Niels Luther-Köhne (LWK). Mittels Ganzkörperanalyse wurde bei Junghennen dreier genetisch unterschiedlicher Herkünfte im Alter von 119 Tagen der Stickstoff- (N) und Phosphorgehalt (P) pro Kilogramm Körpergewicht bestimmt. Die Ergebnisse zeigen signifikante Unterschiede im N- und P-Ansatz zwischen den Herkünften. Langfristig könne die Ganzkörperanalyse dazu beitragen, genauere Angaben zum N- und P-Zuwachs zu machen und zwischen Junghennenaufzucht und Legehennenhaltung zu differenzieren.
Mobile Haltung und Schlachtung
Iris Flentje ist Landwirtin und Sozioökonomische Beraterin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Sie bewirtschaftet im Landkreis Diepholz einen Ackerbaubetrieb mit Schweine- und Geflügelmast. Neben der konventionellen Geflügelmast betreibt sie auch sechs mobile Hähnchenställe mit je 200 Mastplätzen, ein Hühnermobil und eine mobile Geflügelschlachterei. Diese mobile Haltung bietet einige Chancen: Es ist eine vom Verbraucher anerkannte und wertgeschätzte Tierhaltung mit sehr gutem Tierwohl und der Bereitschaft der Verbraucher, einen höheren Preis zu zahlen. Die hofeigene mobile Schlachterei erspart den Tieren den Transport zum Schlachter und bietet ein Höchstmaß an Flexibilität. Die relativ geringen gesetzlichen Auflagen und moderate Anschaffungskosten ermöglichen einen wirtschaftlichen Betrieb. Nachteilig sind die fehlende EU-Zertifizierung und damit einhergehende Einschränkungen bei der Vermarktung im Einzelhandel. Mobile Geflügelhaltung und Schlachtung ermöglichen den Aufbau eines neuen Betriebszweiges ohne ein langwieriges Baugenehmigungsverfahren.
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